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descriptionTeller mit Besteck
Wer Milch, Brot oder Obst nicht verträgt, gehört zur wachsenden Gruppe von Menschen mit einer Lebensmittel-Intoleranz. Meist hilft nur Abstinenz.
descriptionMilch in Glaskaraffe
Zwischen zehn und 30 Prozent aller Europäer vertragen keine Milch oder Milchprodukte. Genauer gesagt: Sie haben eine Milchzucker-Unverträglichkeit.
descriptionVerschiedene Brotsorten
Gluten-Unverträglichkeit vergällt Betroffenen den Genuss von Pizza und Pasta. Sie verändert den Dünndarm, der dadurch Nährstoffe nicht mehr richtig verwerten kann.
descriptionWeintrauben
Viel Obst zu essen, ist gesund – allerdings nicht, wenn der Körper Fruchtzucker schlecht verdauen kann. Dann bereiten die Vitaminspender nichts als Probleme.
descriptionRotwein
Histamin-Unverträglichkeit kann zu Darmbeschwerden, Migräne und Niesanfällen führen. Rotwein, Käse und Kakao sind besonders histaminreich.
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Histaminose: Wenn Rotwein Schnupfen macht

Histamine sind bekannt als Substanzen, die der Körper von Allergikern ausschüttet, wenn er bestimmten Reizstoffen begegnet. Histamine stecken aber auch in Lebensmitteln. Diese werden von manchen Menschen nicht vertragen. Mit einer Allergie hat das nichts zu tun, obwohl die Symptome sehr ähnlich sind.

Im Überblick



Die Histamin-Unverträglichkeit wird aufgrund ihrer Symptome als Pseudoallergie bezeichnet. Auch der Begriff Histaminose ist gebräuchlich. Obwohl weit verbreitet, ist diese Lebensmittel-Unverträglichkeit als Krankheitsbild wenig bekannt. Das liegt auch daran, dass die Symptome vielschichtig sind und der Nachweis einer Histaminose schwierig ist. Von einer Allergie unterscheidet sich die Histamin-Unverträglichkeit vor allem dadurch, dass die Beschwerden von der Histaminmenge abhängen und dass das Immunsystem nicht beteiligt ist.

Das Histamin gehört zu den sogenannten biogenen Aminen. Das geschmacks- und geruchsneutrale Molekül aus Eiweißbausteinen agiert im Stoffwechsel des Körpers als Botenstoff. Es steckt aber auch in unterschiedlicher Konzentration in fast allen Lebensmitteln und wird seit einigen Jahren für viele chronische Beschwerden verantwortlich gemacht. Diese beschränken sich nicht nur auf den Verdauungstrakt.
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Enzymmangel verhindert Histaminabbau

Ist der Histaminabbau im Darm gestört, werden histaminhaltige Lebensmittel nicht vertragen. Schuld daran ist vermutlich ein Mangel des Enzyms Diaminoxidase (DAO), das normalerweise im Verdauungstrakt gebildet wird. DAO kann aber auch durch eine Überschwemmung des Organismus mit Histaminen überlastet sein oder durch Medikamente in seiner Aktivität gehemmt werden. Verschiedene Schmerz- und Schlafmittel, Hustenlöser oder Antirheumatika haben diese Nebenwirkung. Nehmen histaminempfindliche Menschen einen dieser 94 bisher bekannten Wirkstoffe ein und essen gleichzeitig histaminreiche Lebensmittel, kommt es zu starken Beschwerden, deren Ursache sich die Betroffenen nicht erklären können.

Starke Schwankungen beim Histamingehalt

Reich an Histamin sind geräucherte und gepökelte Lebensmittel, Fischkonserven, reifer Käse und lang gelagerter Rotwein, Kakao und Schokolade, Tomaten, Erdbeeren oder Sauerkraut. Während frische und „junge“ Produkte eher histaminarm sind, reichert sich die Substanz mit der Reifung und der Lagerung in Lebensmitteln an. Überreife und verdorbene Lebensmittel strotzen daher nur so vor Histaminen.

Andere Nahrungsmittel enthalten zwar selbst keine Histamine, setzen aber die im Körper gespeicherten frei. Dazu gehören Fertiggerichte und Würzmischungen – die darin enthaltenen Lebensmittelzusatzstoffe regen die Histaminaktivität an.

Schwangerschaft vertreibt die Überempfindlichkeit

Während einer Schwangerschaft kann die Histaminintoleranz vorübergehend verschwinden. Denn die Schwangere produziert in der Plazenta eine große Menge des histaminabbauenden Enzyms DAO. Das soll verhindern, dass sich die Gebärmutter durch den Einfluss von Histaminen zusammenzieht und es dadurch zu einer Fehlgeburt kommt. Die angenehme Nebenerscheinung ist, dass histaminreiche Lebensmittel in dieser Zeit keine Beschwerden verursachen. Der Effekt ist allerdings auf die Schwangerschaft begrenzt.
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Beschwerden: Von Bauchweh bis Migräne

Wer an einer Histamin-Unverträglichkeit leidet, reagiert meist mit den stets gleichen Symptomen. Insgesamt sind diese aber so vielfältig, dass die Histaminintoleranz auch als das „Chamäleon unter den Nahrungsmittelunverträglichkeiten“ gilt.

Die häufigsten Unverträglichkeitsreaktionen auf Histamin sind Verdauungsstörungen und Magenbeschwerden: Durchfall, Völlegefühl, Blähungen, Reizdarm, Übelkeit nach dem Essen, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Magenkrämpfe. Das liegt daran, dass in Magen und Darm der intensivste Kontakt mit Nahrungshistaminen stattfindet. Außerdem lässt die Substanz Schleimhäute anschwellen, also auch die Innenauskleidung von Magen und Darm. Darüber hinaus führt Histamin zu Kontraktionen der Magen-Darm-Muskulatur.

Eine schwerwiegende Beschwerde der Histaminintoleranz ist die Migräne. Diese anfallartigen, einseitigen Kopfschmerzen gehen mit Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Sehstörungen einher. Die Stärke der Migräne hängt von der Menge des aufgenommenen Histamins ab, das die Spannung der Blutgefäße verändern kann. Schokolade, Käse und alkoholische Getränke sind die Hautverantwortlichen für lebensmittelbedingte Migräne. Auch Zitrusfrüchte gehören dazu. Sie enthalten zwar selbst kaum Histamine, aktivieren aber die im Körper gespeicherten Substanzen.

Herzrasen und Allergiebeschwerden

30 bis 60 Minuten nach dem Histaminkontakt kann es auch zu Hautrötungen im Gesicht und Quaddeln kommen, einem spontanen Schnupfenanfall oder Schwindelgefühl durch absackenden Blutdruck. Auch Herzbeschwerden wie Rhythmusstörungen oder Herzrasen können auftreten. Selbst Menstruationsschmerzen, unter denen jede zweite Frau am ersten Tag der Regel leidet, lassen sich auf einen Histaminkontakt zurückführen. Da ohnehin überwiegend Frauen histaminempfindlich sind, wird ein hormoneller Zusammenhang zwischen Hormonen und Histaminose vermutet.

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Bluttest: Momentaufnahme des Histaminspiegels

Die Basis für die Diagnose ist eine genaue Anamnese, das heißt die möglichst detaillierte Vorgeschichte der aktuellen Beschwerden. Da alle Symptome einer Histaminintoleranz auch völlig andere Ursachen haben können, erweist sich der Verdacht auf diese Lebensmittel-Unverträglichkeit in mindestens 50 Prozent der Fälle als unbegründet.

Einen Test, der eindeutig eine Histaminose diagnostizieren kann, gibt es zurzeit nicht. Ein Bluttest kann den Histaminspiegel und die DAO-Aktivität feststellen. Allerdings liefert der Test nur eine Momentaufnahme. Sinnvoll ist er deshalb nur in Kombination mit einer Eliminationsdiät.

Dafür verzichtet der Patient vier Wochen lang auf Speisen, Getränke und Medikamente, die Histamin enthalten, freisetzen oder den Abbau der Substanz behindern. In dieser Zeit sollten die Beschwerden nachlassen und ausbleiben. Vor und nach der verzichtreichen Diät nimmt der Arzt Blutproben und misst die jeweilige Histaminkonzentration. Liegt diese nach der Diät merkbar niedriger, kann man von einer Histamin-Unverträglichkeit ausgehen. Sind die Blutwerte unverändert, sollte nach anderen Auslösern für die Beschwerden gesucht werden.
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Im Akutfall helfen Antiallergika

Stecken tatsächlich Histamine hinter den körperlichen Problemen, muss der Patient in Zukunft auf besonders histaminreiche Lebensmittel verzichten oder deren Konsum stark einschränken. Auch Lebensmittel, die körpereigenes Histamin freisetzen, gehören dazu. Zu Medikamenten, die den Histaminabbau behindern, sollte in Absprache mit dem Arzt eine Alternative gewählt werden.

Welche Histaminquellen in welchen Mengen die individuellen Probleme verursachen, findet man am besten im Anschluss an eine Eliminationsdiät heraus. Nach dem Prinzip „Versuch und Irrtum“ fügt man dem Speiseplan nach und nach histaminrelevante Lebensmittel hinzu und beobachtet, welche man gut verträgt. Diejenigen, die wieder Beschwerden verursachen, werden für immer vom Speiseplan gestrichen.

Gegen allergieähnliche Symptome durch Histamine helfen kurzfristig und akut Antihistaminika. Diese gängigen Mittel gegen Allergien, etwa die Wirkstoffe Cetirizin oder Loratidin, sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie bewirken allerdings nichts bei Magen-Darm-Beschwerden.

Vitamine unterstützen den Histaminabbau

Auch die Vitamine C (Ascorbinsäure) und B6 (Pyridoxin) können den Histaminabbau unterstützen. Dabei sieht es so aus, dass das in fast allen Lebensmitteln vorkommende Vitamin B6 die Aktivität der Diaminoxidase beeinflusst. Menschen mit Histaminintoleranz haben auffallend niedrige Pyridoxin-Werte. Ein Vitamin B6-Mangel wiederum führt zu Durchfall und Erbrechen, einem häufigen Symptom der Histaminose. Menschen mit geringer Vitamin-C-Konzentration haben oft hohe Histaminwerte. Man schließt daraus, dass eine gute Ascorbinversorgung den Histaminabbau beschleunigt.
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Histamine im Griff

Unbedenkliche Lebensmittel:
  • Fleisch, Geflügel, Fisch (frisch!)
  • Milch, Quark, Joghurt, Buttermilch
  • Alle Salate und Kohlarten, die meisten Gemüse- und Obstsorten
Lebensmittel, die man meiden sollte:
  • Ananas, Bananen, Erdbeeren, Grapefruit, Kiwi, Papaya, Pflaumen
  • Avocado, Auberginen, Soja, Spinat, Tomaten
  • Nüsse
  • Hartkäse
  • Marinierter und geräucherter Fisch
  • Fleisch- und Wurstkonserven
  • Salami, Räucherschinken
  • Sauerkraut und eingelegtes Gemüse
  • Fastfood jeglicher Art
  • Hefegebäck
Der Histamingehalt verschiedener Lebensmittel schwankt je nach Frische, Reifung und Art beträchtlich. Erhitzen oder Einfrieren verändert den Histamingehalt nicht. Um die Histaminzufuhr und -ausschüttung durch die Ernährung möglichst gering zu halten, sollte man einige Tipps beachten:
  • Lebensmittel so frisch wie möglich verzehren
  • Lebensmittel kühl lagern
  • Zubereitete Gerichte nicht wiederholt aufwärmen
  • Frischen oder tiefgekühlten Fisch gegenüber geräuchertem und eingelegtem vorziehen
  • Weißwein statt Rotwein trinken
  • Lieber Frisch- und Butterkäse als Hartkäse essen
  • Besser zu jungem als zu gereiftem Hartkäse greifen; dasselbe gilt für jungen und alten Rotwein
  • Kochwurst (Lyoner, Bierschinken etc.) gegenüber Salami oder geräuchertem Schinken bevorzugen
  • Verträglichkeit von Sojaprodukten testen (sind histaminfrei, enthalten aber andere Amine)
  • Alkohol meiden: Er setzt körpereigene Histamine frei, hemmt den Histaminabbau und erhöht die Durchlässigkeit der Darmwand, wodurch Histamine leichter in den Organismus gelangen
  • Wenn Alkohol, dann lieber Bier als Wein – es wird meist besser vertragen

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Schokolade
© Shutterstock
Schokolade und Kakao sind reich an Histaminen. Bei empfindlichen Menschen können sie zu den unterschiedlichsten Beschwerden führen.
Rohe Lachssteaks
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Frischer Fisch ist unbedenklich – aber gepökelter oder geräucherter Fisch enthält Histamine.
Frau hält sich den Kopf
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Migräne kann eine der massiveren Beschwerden durch Histaminintoleranz sein. Die Ursache: Der Botenstoff hat die Spannung der Blutgefäße verändert.
Erdbeeren
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Erdbeeren sind zwar normalerweise sehr gesund. Für Menschen mit einer Histaminose sind sie jedoch bedenklich, weil sie viel Histamin enthalten.