Lebensmittelintoleranz: Wenn gesundes Essen Bauchweh macht
Jeder dritte Erwachsene glaubt, dass er eine Allergie gegen einzelne Lebensmittel hat. Doch echte allergische Reaktionen sind selten. Bei den meisten dieser Störungen handelt es sich um eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, auch als Nahrungsmittelintoleranz oder Pseudoallergie bezeichnet. Im Überblick
Die meisten Menschen können problemlos aus der ganzen Fülle des Lebensmittelangebots schöpfen. Andere haben jedoch Schwierigkeiten mit der Verdauung bestimmter Lebensmittel – vor allem solcher, die generell als gesund gelten: Milch und Milchprodukte, viele Getreidesorten oder Obst. Das Verdauungssystem der Betroffenen kann wesentliche Bestandteile dieser Lebensmittel gar nicht oder nur mangelhaft verwerten. Dadurch entstehen teils massive körperliche Beschwerden.
Insgesamt haben die Schwierigkeiten, Nahrung richtig zu verdauen, in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Als mögliche Ursache sehen Experten die große Vielfalt an früher unbekannten Lebensmitteln aus aller Welt und deren ganzjährige Verfügbarkeit. Saisonal bedingte Erholungspausen für das Verdauungssystem fallen dadurch weg.
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Intoleranz unterscheidet sich von Allergie
Der Unterschied zwischen einer Lebensmittelallergie und einer Lebensmittel-Unverträglichkeit ist für die Betroffenen kaum spürbar, solange die Allergie nur schwach ausgeprägt ist. Es laufen allerdings jeweils völlig andere körperliche Prozesse ab. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass bei einer Allergie das Immunsystem die zentrale Rolle spielt: Es reagiert auf einen (eigentlich harmlosen) Reizstoff, indem es zu dessen Abwehr eine Unmenge spezifischer Antikörper bildet. Diese veranlassen den Körper, Histamine auszuschütten, welche die allergischen Beschwerden auslösen. Bei einer Unverträglichkeit bleibt das Immunsystem außen vor – die Beschwerden entstehen dadurch, dass das Verdauungssystem oder der Stoffwechsel einen Nahrungsbestandteil nicht richtig verarbeiten kann.
In der Praxis sieht das so aus, dass bei einer ausgeprägten Allergie schon kleinste Mengen eines reizenden Lebensmittels ausreichen, um die Immunkaskade auszulösen und sofort Beschwerden zu verursachen: rote, juckende Haut, Schwellungen der Schleimhäute bis hin zur Atemnot. Bei einer Unverträglichkeit toleriert der Körper meist kleine Mengen des fraglichen Lebensmittels. Die Symptome entstehen zeitverzögert mit dem Verdauungsprozess. In erster Linie handelt es sich um Magen-Darm-Beschwerden, Symptome auf Haut und Schleimhaut können hinzukommen. Durch die andauernd schlechte Verwertung bestimmter Nährstoffe können mit der Zeit aber auch Mangelerscheinungen oder sogar psychische Veränderungen auftreten.
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Die Besonderheit der Lebensmittelallergie
Nur circa zwei Prozent aller Erwachsenen haben nach Einschätzung des European Food Information Council (Eufic) eine Lebensmittelallergie. Unter kleinen Kindern sind noch bis zu sieben Prozent betroffen. Viele überwinden ihre Allergie allerdings noch vor dem Schulalter. Vor allem die relativ häufigen Allergien gegen Milcheiweiß und Eier verlieren die meisten Kinder mit den Jahren.
Lebensmittelallergien verlaufen im Allgemeinen schwach. Es gibt allerdings auch Menschen, die auf ein Allergen mit einem Atem- und Kreislaufkollaps reagieren. Vor allem Erd- und Haselnüsse haben den Ruf, den sogenannten
anaphylaktischen Schock zu verursachen. Dafür reichen schon winzige Spuren von Nüssen aus. Neben Nüssen haben auch Fisch und Krustentiere, Soja und Getreidekeime ein starkes allergisches Potenzial.
Eine Spezialform der Nahrungsmittelallergie ist die
Kreuzallergie von Pollenallergikern. Wer zum Beispiel auf Birkenpollen allergisch reagiert, kann im Lauf der Zeit auch nach dem Genuss von Äpfeln oder Kirschen Symptome entwickeln. Die Allergene mancher Pollen und Früchte ähneln sich, und das Immunsystem kann die Quellen nicht unterscheiden.
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Die Besonderheit der Lebensmittelintoleranz
Eine Lebensmittelintoleranz kann mit typischen Allergiesymptomen einhergehen. Zu Hautausschlag, verquollenen Augen oder Niesanfällen kommen meist noch Durchfall, Übelkeit oder Bauchkrämpfe. Die Unverträglichkeit kann angeboren oder erworben sein und begleitet den Betroffenen ein Leben lang. Eine Ausnahme bildet die vorübergehende Lebensmittelintoleranz als Folge von Erkrankungen.
Am weitesten verbreitet ist die Unverträglichkeit von Milchzucker
(Laktose) und vom Getreideeiweiß
Gluten. Jeweils einer von hundert Europäern leidet daran. Die Gluten-Intoleranz
heißt auch
Zöliakie oder einheimische
Sprue und zieht den Dünndarm in Mitleidenschaft. Bei der Laktoseintoleranz fehlt im Verdauungstrakt ein Enzym zur Verarbeitung von Milchzucker. Für die schlechte Verträglichkeit von Fruchtzucker (Fruktoseintoleranz) ist ein defektes Verdauungsprotein verantwortlich.
Die Histaminunverträglichkeit
(Histaminose) ähnelt am ehesten einer Allergie, weil Histamine beteiligt sind, die der Körper auch gegen Allergene ausschüttet. Auch Lebensmittel wie Erdbeeren oder Tomaten provozieren den Körper, Histamin freizusetzen, allerdings ohne Beteiligung der typischen Allergie-Antikörper IgE. Schokolade, Käse, Wein oder Sauerkraut enthalten selbst Histamine, die bei empfindlichen Menschen allergieähnliche Symptome, Migräne oder Verdauungsbeschwerden auslösen. Wegen der großen Ähnlichkeit wird die Histaminose als Pseudo-Allergie bezeichnet.
Welcher Mechanismus den Geschmacksverstärker
Glutamat für viele Menschen unverträglich macht, ist noch nicht völlig geklärt. Das Beschwerdebild hat noch keinen offiziellen Namen in der Medizin, wird aber oft als
„Chinarestaurant-Syndrom“ bezeichnet. Denn besonders in der chinesischen Küche kommt Glutamat oft zum Einsatz.
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Aufwendige Suche nach dem Auslöser
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten bleiben wegen ihrer vielfältigen und unspezifischen Symptome oft lange unentdeckt. Wenn Mediziner für die Magen-Darm-Probleme keine körperlichen Ursachen finden, machen viele immer noch eher die Psyche der Patienten verantwortlich, als dass sie deren Ernährungsgewohnheiten hinterfragen. Doch selbst wenn ein konkreter Verdacht auf eine Unverträglichkeit besteht, gleicht es einer Puzzlearbeit, den auslösenden Stoff zu finden und dann konsequent vom Speiseplan zu streichen.
Einige Labors bieten seit einiger Zeit sogenannte IgG-Bluttests an, die auf knapp 300 Lebensmittel reagieren. Ihr Aussagewert ist aber umstritten, da jeder Mensch IgG-Moleküle bildet, wenn er zum Beispiel viel Obst oder Milch konsumiert. Das bedeutet aber nicht, dass er diese Lebensmittel nicht verträgt.
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Die Therapielösung heißt: Verzicht
Eine einigermaßen verlässliche, aber aufwendige Methode, dem unverträglichen Lebensmittel auf die Spur zu kommen, stellt die Weglass-Diät dar. Mehrere verdächtige Lebensmittel werden vorübergehend gestrichen und dann eins nach dem anderen wieder in die Ernährung eingebaut. Wenn der Körper dann rebelliert, muss das betreffende Lebensmittel dauerhaft aus dem Speiseplan verbannt werden.
Manchmal genügt auch nur eine mehrmonatige Abstinenz, bis sich der strapazierte Darm erholt hat. Dann kann der Betroffene wenigstens kleine Mengen des schwer verdaulichen Lebensmittels wieder genießen.
Dennoch: Viel mehr als der Verzicht bleibt bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit nicht an Therapiemöglichkeiten. Es laufen zwar Studien, die untersuchen, ob man schon im Babyalter durch eine Art Hyposensibilisierung unempfindlich gegen allergene Substanzen machen kann. Dabei sollen Kleinkinder beim Übergang von Milch auf feste Nahrung schrittweise an das Klebeeiweiß in Getreide gewöhnt und dadurch vor Zöliakie bewahrt werden.
In Europa müssen seit 2005 die Inhaltslisten von industriell hergestellten Lebensmitteln bekannte Auslöser einer Nahrungsmittelallergie explizit aufführen (zum Beispiel: „… kann Spuren von Nüssen enthalten“). Fertiggerichte, die keine allergenen Lebensmittelsubstanzen enthalten, werben andererseits gern mit diesem Vorteil und schreiben auf die Packung „frei von …“.
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