Frau hält sich den Kopf
Wenn sich die Hormone umstellen, leiden manche Frauen massiv, andere fühlen sich eher befreit – Psyche, Gene, Ernährung, auch die Kultur sind ausschlaggebend.
Paar auf dem Sofa
Verlust der Lust ist kein Schicksal. Sie lässt sich bewusst neu beleben. Und gegen das Problem der Scheidentrockenheit helfen Hormonsalben.
Tabletten, Spritze
Hormone als Wundermittel im Klimakterium? Studien deckten gefährliche Nebenwirkungen auf. Das gilt auch für einige andere Anti-Aging-Wirkstoffe.
Frau mit Steinschleuder
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Medizinfläschchen, Kräuter
Pflanzliche Wirkstoffe, Homöopathie, Kneipp, Gesprächsgruppen – es gibt vielfältige Hilfe gegen Wechseljahrsbeschwerden, ohne massive Medikamente.
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Libidoverlust: Hormone sind selten die Ursache

Tatsache: Bei vielen Frauen nimmt die Libido mit zunehmendem Alter ab. Allerdings ist meist nicht die veränderte Hormonsituation schuld daran, sondern eine langweilig gewordene Partnerschaft, in der sich Mann und Frau nichts mehr zu sagen haben. Denn das sexuelle Verlangen beginnt vor allem im Kopf.


Im Überblick



Eine Sexualtherapie kann dabei helfen, eingefahrene Wege zu verlassen und das Feuer der Lust neu zu entfachen. Allerdings kann Scheidentrockenheit den Coitus beeinträchtigen. Dann helfen lokale Hormonpräparate, die gut verträglich sind und nicht den gesamten Organismus belasten.

Fast 60 % aller Frauen in den Wechseljahren klagen über nachlassendes sexuelles Verlangen. Mancher Mediziner führt dies auf die sinkenden Östrogen- und Testosteronspiegel zurück. Der Hormonmangel beeinflusst demnach das Zentrale Nervensystem und die Sinnesorgane, die für sexuelle Stimuli und Reaktionen essentiell sind. Trotzdem: Es gibt keine Studien, die einwandfrei belegen, dass eine Östrogen- oder Testosteronsubstitution Libido und Sexualität positiv beeinflussen.
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Probleme mit dem Partner

Hormonelle Veränderungen sind wahrscheinlich nicht ausschlaggebend, wenn bei Frauen um die 50 die Libido verschwindet. Umfragen der Psychologin Dr. Beate Schultz-Zehden an der Freien Universität Berlin haben ergeben, dass reife Frauen, die eine Fernbeziehung führen und somit keine erdrückende Alltagsroutine mit ihrem Partner erleben, sexuell genauso aktiv sind wie 25-Jährige. Es scheint also eher an der Partnerschaft als an den Hormonen zu liegen, wenn die Lust erlahmt. Dies bestätigen auch die Aussagen der Frauen, die über nachlassende Libido klagen. Als Gründe führten sie an:
  • den Partner, der zum Beispiel infolge von Erektionsstörungen zum Geschlechtsverkehr nicht in der Lage war
  • Abnutzungserscheinungen der Partnerschaft
  • Schamgefühle wegen körperlicher Alterungserscheinungen
  • der Vorstellung, dass Sex nur etwas für Jüngere sei.
Sexuelle Lust kann auch im Alter fortbestehen. "Eine Frau, die sexuell immer aktiv war und häufig die Initiative ergriffen hat, wird auch im Alter sexuell aktiver und zufriedener sein als eine Frau, die sich schon immer eher passiv verhalten hat", meint Schultz-Zehden. Zu bedenken ist auch: Männer brauchen ab circa 40 Jahren meistens mehr Stimulation, um eine Erektion zu bekommen. Passivität auf Seiten der Partnerin fällt in dieser Lebensphase also mehr ins Gewicht als in früheren Zeiten.  

Mehr Freude am Sex


Einige Frauen in den Wechseljahren berichten sogar über ein erfüllteres Sexualleben. Das liegt zum Teil daran, dass sie weniger Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft haben müssen. Hinzu kommt bei diesen zufriedenen Frauen, dass sie sich über die Jahre mit sich selbst angefreundet haben und dem Partner nichts mehr vorzumachen brauchen. Dadurch sind sie zu mehr Hingabe fähig.
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Sexualtherapie schenkt neue Impulse

Erkaltete Leidenschaft - mit diesem Problem haben junge wie alte Paare zu kämpfen. Doch finden die Jüngeren meistens eine einfach Lösung: Sie trennen sich. Für Paare um die 50 kommt ein solcher Schritt nur selten in Frage. Zu zahlreich sind die gemeinsamen Verpflichtungen, zu groß ist die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit voneinander. Wollen sie sich nicht im kargen Nebeneinander einrichten, müssen sie also nach anderen Wegen suchen.    

Ausdruck von Enttäuschungen


Eine sehr erfolgversprechende Lösung ist offenbar eine sexualmedizinische Behandlung, die am Institut für Sexualmedizin der Charité in Berlin entwickelt wurde und "syndyastische Sexualtherapie" genannt wird. Die Sexualmediziner verstehen unter syndyastisch: beziehungsfestigend und bindungsstabilisierend. Das Verschwinden der Lust ist für sie meistens Ausdruck von Spannungen und Enttäuschungen in der Partnerschaft. Die syndyastische Sexualtherapie nutzt die Sexualität, um die Partner wieder füreinander zu öffnen.

"Anders als bei der klassischen Sexualtherapie ist das Ziel nicht allein die Wiederherstellung der Sexualfunktionen. Es geht viel mehr darum, die Partner in die Lage zu versetzen, sich Grundbedürfnisse nach Akzeptanz, Geborgenheit und Nähe durch sexuelle Körperkommunikation wieder erfüllen zu können", erklärt Christoph Ahlers vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité.

Streicheln und Küssen fördern Verständnis füreinander


Ähnlich wie die klassische Sexualtherapie nach Masters and Johnson arbeitet aber auch die syndyastische Sexualtherapie mit Sensualitätsübungen: Die beiden Partner streicheln sich gegenseitig - beispielsweise in Rücken- und Bauchlage -, ohne dabei Genitalien, Brüste oder Po zu berühren. Erst nach und nach werden die Berührungen intimer. Die Partner lernen bei diesem Therapieansatz, dass Berührungen auf einzigartige Weise Nähe stiften können. Sie beginnen Verständnis füreinander zu entwickeln und merken: Streicheln und Küssen haben nicht allein den Zweck, den Geschlechtsverkehr vorzubereiten.  

Manche Frau um die 50 hält sich und ihren Partner möglicherweise für zu alt für eine solche sexualmedizinische Behandlung. Doch diesen Bedenken kann Ahlers vorbeugen: "Die Therapieform wendet sich ausdrücklich an Paare ab 40. Außerdem: Es gibt kein Lebensalter, in dem das Thema Sexualität keine Rolle spielt."
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Jugendwahn belastet Partnerschaft

Frauen jenseits der 50 sind heute nicht mehr zur Graumäusigkeit verdammt. Gerade in Italien und Frankreich gibt es reihenweise Frauen, die Kleidung, Frisuren und Make-up geschickt für ihre Zwecke einzusetzen wissen. Oft heißt es: "Sie strahlen etwas aus." Man unterstellt ihnen eine gewisse Reife, vermutet, dass ihr gutes Aussehen nicht ihre einzige Qualität ist.  

Es gibt allerdings Frauen, denen diese Gratwanderung nicht gelingt: Sie haben kein anderes Interesse, als ihr jugendliches Aussehen zu bewahren. Sie gehen fünfmal in der Woche ins Fitnessstudio, lassen sich liften und verpassen auch nicht eine Neuheit auf dem Kosmetikmarkt. Auf ihre Umgebung wirken sie oft lächerlich - doch das ist nicht das Schlimmste: Der Jugendwahn kann ihre Partnerschaft ernsthaft gefährden.  

Nicht ständig übers Älterwerden sprechen


Frauen mit ausgeprägtem Willen zur ewigen Jugend kennen nur ein Thema: wie alt und unattraktiv sie aussehen und was sich dagegen unternehmen lässt. "Solches Gerede ist schlecht fürs Selbstbewusstsein und wird sich am Ende auch auf die Sichtweise des Mannes auswirken", meint Dr. Beate Schultz-Zehden, Psychologin an der Freien Universität Berlin.  

Hinzu kommt: Eine Frau, die neben der Konservierung ihres jugendlichen Aussehens keine weiteren Interessen hat, wird als Partnerin langweilig. Ihrem Verhalten haftet etwas Unreifes an, denn ihre Fixierung auf Jugendlichkeit macht deutlich: Sie setzt sich nicht mit den Entwicklungsanforderungen auseinander, die an sie gestellt werden. Die Jugendbessenene erreicht also das Gegenteil von dem, was sie anstrebt. Sie möchte auf ihren Mann auch im Alter noch anziehend wirken, doch ihre intensiven Bemühungen darum stoßen ihn ab.
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Scheidenprobleme lokal lösen

Allerdings gibt es auch ein körperliches Problem, das die schwindenden Hormone hervorrufen. Es senkt zwar nicht die Libido, kann jedoch zu Schmerzen beim Coitus führen: Scheidentrockenheit. Manche Frau schreckt dann vor einem Arztbesuch zurück: Ist ihre Beschwerde nicht eine Bagatelle? Keineswegs, denn eine empfindliche, gerötete Vagina ruft Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hervor, was eine Partnerschaft erheblich belasten kann. Eine Behandlung lohnt sich in jedem Fall - zumal sie unkompliziert und meistens sehr wirksam ist. 

Estriolcreme hat kaum Nebenwirkungen

Infolge des sinkenden Östrogenspiegels kommt es in der Vagina häufig zu Veränderungen: Die Scheide verliert ihre Elastizität und wird empfindlich und trocken. Als Therapie empfiehlt sich nach Aussagen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (Therapieempfehlung "Hormontherapie im Klimakterium", 2003) eine Salbe, die das Hormon Estriol enthält. Dieser Östrogentyp geht örtlich angewendet kaum ins Blut über und besitzt deshalb nicht die Risiken einer Hormonersatztherapie mit Tabletten oder Pflaster. Die Salbe lindert die Scheidentrockenheit, indem sie:
  • die Durchblutung der Vagina fördert
  • weiterhin für ein saures Scheidenmilieu sorgt
  • die Fähigkeit zur Epithelproliferation (Gewebeneubildung) erhält.
Frauen sollten sich bei ihrem Arzt oder Apotheker genau erkundigen, wie die Salbe anzuwenden ist. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Präparat anfangs täglich, später aber nur ein bis zweimal die Woche aufgetragen werden sollte, um die Wirkung zu erhalten.  

Nicht als Gleitcreme benutzen


Es empfiehlt sich nicht, die Salbe als Gleitcreme zu betrachten und kurz vor dem Geschlechtsverkehr einzuführen: Auf diese Weise wird der Mann eventuell ebenfalls therapiert, was wegen möglicher unbekannter Nebenwirkungen nicht zu wünschen ist. Als Gleitsubstanz eignen sich hormonfreie Gele. Oftmals verschaffen sie für sich allein schon Linderung bei Scheidentrockenheit.  

Häufiger Geschlechtsverkehr beugt vor


Von Scheidentrockenheit während oder nach dem Klimakterium ist knapp jede zweite Frau betroffen. Sexualmediziner haben beobachtet, dass Frauen, die häufig mit ihrem Partner schlafen, seltener unter Rückbildungsprozessen der Vagina leiden. Denn regelmäßiger Geschlechtsverkehr hält die Vagina feucht und fördert ihre Durchblutung.
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Paar im Bett
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Meist ist es die Alltagsroutine, die Paaren die Lust auf Sex nimmt – und nicht die veränderte Hormonsituation der Frau.
Seniorenpaar umarmt sich
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Oft müssen Paare erst wieder lernen, zärtlich miteinander umzugehen. Eine sexualmedizinische Behandlung kann wertvolle Impulse vermitteln.
Frau beim Shoppen
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Attraktivität hängt nicht vom Alter ab. Allerdings sollte man es vermeiden, sich offensichtlich intensiv um das Jungbleiben zu bemühen.
Älteres Paar im Bett
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Ein reges Liebesleben ist die beste Prävention gegen klimakterische Beschwerden. Geschlechtsverkehr hält die Vagina elastisch.
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